10xTrade: Steuerforderung vor Auszahlung – seriös?

Veröffentlicht am 11.09.2026

Dr. Michael Wehrmann und Martin Wehrmann, WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht
Dr. Michael WehrmannRechtswissenschaftler Martin WehrmannRechtsanwalt
  • 10xTrade verlangt angeblich Steuern/AML-Gebühren vor Auszahlung des Guthabens
  • Echte Kapitalertragsteuer wird als Quellensteuer einbehalten, nicht separat überwiesen
  • Zeitdruck, gefälschte Behördenschreiben und Auslandskonten sind Warnsignale
  • Bei 10xTrade könnte es sich um einen Betrug handeln.
  • Sie sollten die Unterstützung eines Rechtsanwalts erwägen, der regelmäßig derartige Fälle bearbeitet.
  • Ihre Vermögenswerte könnten sich in akuter Gefahr befinden, wenn Sie nicht schnell und entschlossen handeln.

Bei der Online-Handelsplattform 10xTrade (10xtrade.net, support@10xtrade.net) berichten Anleger, dass vor einer Auszahlung plötzlich Kapitalertragsteuer, Quellensteuer oder eine „AML-Sicherheitsleistung“ verlangt wird. Entscheidend ist dabei, wer die Zahlung fordert, auf welcher Rechtsgrundlage und wohin das Geld fließen soll – denn eine solche Vorabzahlung vor Auszahlung eigenen Guthabens ist rechtlich und praktisch höchst ungewöhnlich.

Ist die Steuerforderung von 10xTrade rechtmäßig?

In Deutschland beträgt die Kapitalertragsteuer grundsätzlich 25 Prozent, hinzu kommen ggf. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wird diese Steuer als Quellensteuer direkt von der auszahlenden Stelle einbehalten und abgeführt – der Anleger muss sie nicht separat auf ein fremdes Konto überweisen, bevor er sein Guthaben erhält. Wird bei 10xTrade dennoch verlangt, vorab einen Betrag – etwa 28.000 Euro bei einem angezeigten Guthaben von 140.000 Euro – auf ein separates Konto zu zahlen, bevor die Auszahlung erfolgt, widerspricht dies dem üblichen Quellensteuerverfahren.

Welche Warnsignale deuten auf eine Täuschung hin?

Relevante Prüfpunkte sind: Wer ist Zahlungsempfänger? Warum wird die Steuer nicht direkt aus dem vorhandenen Guthaben einbehalten? Welche Behörde soll die Forderung erhoben haben, und existiert ein nachvollziehbarer Steuerbescheid? Auffällig ist es insbesondere, wenn eine angebliche deutsche Steuerforderung auf ein ausländisches Firmenkonto überwiesen werden soll oder der Broker selbst sowohl den Steuerbetrag als auch das Empfängerkonto festlegt. Das Bundesfinanzministerium warnt zudem ausdrücklich vor gefälschten E-Mails, SMS und Schreiben, die unter Verwendung von Namen und Logos der Finanzverwaltung Zahlungen verlangen – ein Bundesadler oder ein Aktenzeichen auf einer PDF-Datei belegt für sich genommen nicht, dass tatsächlich eine Behörde beteiligt ist.

Was steckt hinter angeblichen Geldwäscheprüfungen?

Neben Steuerforderungen können auch Begriffe wie „AML-Sicherheitsleistung“ (Anti-Money Laundering) oder eine angebliche „Compliance-Prüfung“ genutzt werden, um weitere Zahlungen zu verlangen. Teilweise wird zusätzlich mit Zeitdruck – etwa einer 24-Stunden-Frist oder drohender Kontosperrung – gearbeitet, um eine unabhängige Prüfung der Forderung zu verhindern. Zentral bleibt dabei die Frage, warum ein Anleger zusätzliches Geld zahlen soll, damit bereits vorhandenes eigenes Guthaben freigegeben wird.

Was tun bei Problemen mit 10xTrade?

Angebliche Steuerbescheide, Rechnungen oder PDF-Dokumente von 10xTrade sollten nicht gelöscht, sondern als Beweismittel gesichert werden. Relevant sind dabei Absenderadresse, Bankverbindung, Firmenname, Logo, angegebene Behörde und Aktenzeichen sowie sprachliche Auffälligkeiten. Zudem ist zu hinterfragen, ob die auf der Plattform angezeigten Gewinne – etwa ein Anstieg von 20.000 auf 180.000 Euro – überhaupt real existieren, da ein hoher angezeigter Gewinn eine höhere „Steuerforderung“ erst plausibel erscheinen lässt.

Häufige Fragen

Muss ich vor der Auszahlung bei 10xTrade wirklich Steuern zahlen?
Nach dem üblichen deutschen Quellensteuerverfahren wird Kapitalertragsteuer von der auszahlenden Stelle einbehalten, nicht vom Anleger vorab auf ein separates Konto überwiesen. Eine solche Forderung sollte kritisch geprüft werden.
Was bedeutet die Forderung nach einer AML-Sicherheitsleistung?
AML steht für Anti-Money Laundering (Geldwäscheprävention). Wird unter diesem Vorwand eine zusätzliche Zahlung verlangt, damit vorhandenes Guthaben freigegeben wird, ist dies ein Warnsignal.
Woran erkenne ich gefälschte Behördenschreiben im Zusammenhang mit 10xTrade?
Das Bundesfinanzministerium warnt vor gefälschten E-Mails und Schreiben mit Namen und Logos der Finanzverwaltung. Ein Bundesadler oder Aktenzeichen allein belegt keine echte Behörde; entscheidend sind Absender, Bankverbindung und Nachvollziehbarkeit des Bescheids.
Was soll ich mit angeblichen Steuerbescheiden von 10xTrade tun?
Solche Dokumente sollten als Beweismittel gesichert und nicht gelöscht werden, da sie für eine spätere rechtliche Prüfung relevant sein können.
Sollte ich die geforderte Zahlung leisten, um mein Guthaben zu erhalten?
Eine Zahlung allein aus Angst vor angedrohten Konsequenzen wie Kontosperrung sollte nicht ohne unabhängige Prüfung der Forderung erfolgen.

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