Primary Markets: Betrugsverdacht und Auszahlungsprobleme

Veröffentlicht am 28.09.2026

Dr. Michael Wehrmann und Martin Wehrmann, WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht
Dr. Michael WehrmannRechtswissenschaftler Martin WehrmannRechtsanwalt
  • Zusatzzahlung als „Liquiditätsnachweis“ vor Auszahlung verlangt
  • BaFin warnt vor Plattformen ohne Erlaubnis und falschen Aufsichtsangaben
  • § 263 StGB erfordert Täuschung, Irrtum, Vermögensverfügung und Schaden
  • Bei Primary Markets könnte es sich um einen Betrug handeln.
  • Sie sollten die Unterstützung eines Rechtsanwalts erwägen, der regelmäßig derartige Fälle bearbeitet.
  • Ihre Vermögenswerte könnten sich in akuter Gefahr befinden, wenn Sie nicht schnell und entschlossen handeln.

Gegen die Handelsplattform Primary Markets (primary-markets.com) besteht der Verdacht des Anlagebetrugs. Geschädigten wurden nach Angaben aus der Praxis vor einer Auszahlung zusätzliche Zahlungen als angeblicher „Liquiditätsnachweis“ abverlangt – ein Muster, das Verbraucherzentralen als typisches Vorgehen unseriöser Trading-Plattformen einstufen.

Was ist Primary Markets (primary-markets.com)?

Primary Markets tritt als Online-Handelsplattform auf, über die Nutzer Einzahlungen leisten und angeblich Handelsgeschäfte tätigen können. Kontaktadressen, die im Zusammenhang mit der Plattform genannt werden, sind support@primary-markets.com, privacy@primary-markets.com und dpo@primary-markets.com. Nach Erkenntnissen der Verbraucherzentralen dient bei vergleichbaren Plattformen das angezeigte Handelskonto teils nur der Vortäuschung von Gewinnen; ein tatsächlicher Handel findet nicht statt.

Welche Warnsignale wurden bei Primary Markets beobachtet?

In einem dokumentierten Ablauf erfolgte nach einer ersten Einzahlung von 500 Euro und angezeigtem Kontowachstum eine weitere Einzahlung von 10.000 Euro. Bei dem Versuch, 5.000 Euro auszahlen zu lassen, wurde eine zusätzliche Zahlung wegen eines angeblichen „Liquiditätsnachweises“ verlangt. Forderungen nach vorab zu zahlenden Gewinnsteuern, Versicherungen oder Liquiditätsnachweisen gelten laut Verbraucherzentralen als bekannte Erscheinungsform betrügerischer Trading-Angebote.

Ist Primary Markets seriös?

Ob Primary Markets über eine erforderliche Erlaubnis für Finanzdienstleistungen verfügt, ist im Einzelfall zu prüfen. Die BaFin veröffentlicht fortlaufend Warnungen zu Handelsplattformen, die Finanzdienstleistungen ohne erforderliche Erlaubnis anbieten, und weist auch auf Fälle hin, in denen Anbieter fälschlich eine Verbindung zu regulierten Institutionen wie der Börse Stuttgart oder eine BaFin-Beaufsichtigung behaupteten. Bei Primary Markets sollten regulatorische Angaben und behauptete Unternehmensverbindungen daher dokumentiert und überprüft werden.

Welche rechtliche Bedeutung hat § 263 StGB?

Bei einem Betrugsverdacht ist § 263 StGB (Betrug) einschlägig: erforderlich sind eine Täuschung, ein dadurch hervorgerufener Irrtum, eine darauf beruhende Vermögensverfügung und ein Vermögensschaden. Für die rechtliche Bewertung ist daher nicht allein die Höhe des Verlusts relevant, sondern vor allem, welche Angaben vor der Einzahlung gemacht wurden – etwa Renditeversprechen, angebliche Risikolosigkeit oder zugesicherte Auszahlungen.

Wie sollten Betroffene vorgehen?

Da Plattformen abgeschaltet werden und Konten unerreichbar werden können, ist eine frühzeitige Sicherung von Beweisen zentral: Screenshots von Kontoständen, offenen Positionen, Einzahlungen und angezeigten Gewinnen, ebenso Chatverläufe, E-Mails und Sprachnachrichten. Eine chronologische Aufstellung von Registrierung, Einzahlungen, angezeigtem Guthaben und Auszahlungsversuchen erleichtert die Nachvollziehbarkeit. Die Verbraucherzentrale empfiehlt zudem eine Strafanzeige bei der Polizei und rät, Namen, Telefonnummern sowie IBAN oder Kontonummern der Beteiligten bereitzustellen. Eine BaFin-Meldung wegen unerlaubter Finanzgeschäfte und eine Strafanzeige verfolgen unterschiedliche Zwecke und können parallel sinnvoll sein.

Häufige Fragen

Was ist primary-markets.com?
Eine Online-Handelsplattform, gegen die der Verdacht des Anlagebetrugs besteht, unter anderem wegen geforderter Zusatzzahlungen vor Auszahlungen.
Warum wurde eine zusätzliche Zahlung verlangt?
Vor einer Auszahlung wurde ein angeblicher „Liquiditätsnachweis“ gefordert – ein laut Verbraucherzentralen bekanntes Muster bei unseriösen Trading-Angeboten.
Welche Behörde ist bei Primary Markets zuständig?
Die BaFin ist zuständig, wenn Finanzdienstleistungen ohne erforderliche Erlaubnis angeboten werden; für die strafrechtliche Verfolgung sind Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig.
Welche Beweise sollten gesichert werden?
Screenshots von Kontoständen und Transaktionen, Chatverläufe, E-Mails, Sprachnachrichten sowie eine chronologische Übersicht des Ablaufs.
Welcher Straftatbestand kommt in Betracht?
§ 263 StGB (Betrug), sofern Täuschung, Irrtum, Vermögensverfügung und Vermögensschaden nachweisbar sind.

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