Gefälschter Raisin-Kundenservice: Identitätsmissbrauch

Veröffentlicht am 20.10.2026 –

Dr. Michael Wehrmann und Martin Wehrmann, WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht
Dr. Michael WehrmannRechtswissenschaftler Martin WehrmannRechtsanwalt
  • raisin-kundenservice.de ist nicht der echte Kundenservice der Raisin SE, deren Identität wird missbraucht
  • Sofort Zahlungen stoppen, Bank und echte Raisin SE informieren und Beweise sichern
  • Ansprüche können sich aus § 675u BGB, § 823 Abs. 2 BGB i. V. m. § 263 StGB ergeben
  • Bei Raisin-Kundenservice (gefälscht, Identitätsmissbrauch der Raisin SE) könnte es sich um einen Betrug handeln.
  • Sie sollten die Unterstützung eines Rechtsanwalts erwägen, der regelmäßig derartige Fälle bearbeitet.
  • Ihre Vermögenswerte könnten sich in akuter Gefahr befinden, wenn Sie nicht schnell und entschlossen handeln.

Hinter raisin-kundenservice.de steht nicht der echte Kundenservice der Raisin SE. Nach dem Artikel wird die Identität des real existierenden Finanzunternehmens missbraucht, um Anleger zu Überweisungen für angebliche Festgeldanlagen zu bewegen. Betroffene sollten keine weiteren Zahlungen leisten und die Raisin SE über ihre offiziellen Kanäle kontaktieren.

Ist raisin-kundenservice.de der echte Raisin-Kundenservice?

Nein. Die echte Raisin SE hat ihren Sitz in der Schlesischen Straße 33/34 in Berlin. Ihr Privatkundenservice ist unter kundenservice@raisin.com und telefonisch unter 030 21784002 erreichbar. Die Adresse info@raisin-kundenservice.de unterscheidet sich davon deutlich. Die Berliner Geschäftsadresse wird genutzt, um Seriosität vorzutäuschen, doch eine richtige Adresse macht einen falschen Ansprechpartner nicht seriös.

Welche Kontaktdaten werden im Zusammenhang genannt?

Genannt werden die E-Mail-Adressen info@raisin-kundenservice.de und ralf.schoenfelder@raisin-kundenservice.de sowie die Telefonnummern +49 177 9035395 und +49 30 257706199. In Warnhinweisen erscheinen zudem die Namen Larissa bzw. Laura Hagemann mit der Nummer +49 30 257708763. Ob hinter diesen Namen reale Personen stehen, ist nicht gesichert; es können erfundene Identitäten sein.

Was tun, wenn ich mit raisin-kundenservice.de kommuniziert habe?

  1. Keine weiteren Überweisungen ausführen, auch keine angeblichen Steuern oder Freigabegebühren.
  2. Die eigene Bank informieren und einen Überweisungsrückruf wegen Betrugsverdachts erbitten.
  3. Die echte Raisin SE benachrichtigen und prüfen lassen, ob die Anlage existiert; eine schriftliche Bestätigung ist hilfreich.
  4. Beweise sichern: Verträge, Nachrichten, Anruflisten, Überweisungsbelege.
  5. Passwörter ändern und Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
  6. Bei übermittelten Ausweisdaten auf verdächtige Vertragsabschlüsse achten.

Bei installierter Fernwartungssoftware sollte der Zugriff nach Beweissicherung beendet und das Gerät technisch geprüft werden. Ein Überweisungsrückruf garantiert keine Rückzahlung, kann aber bei zeitnah entdeckten Fällen sinnvoll sein.

Ist durch die Überweisung eine Festgeldanlage entstanden?

Das muss geprüft werden. Die bloße Überweisung begründet keine Festgeldanlage bei der Bank, deren Name in den Unterlagen erscheint. Zu unterscheiden sind Vermittlungsvertrag, Kontoeröffnungsbestätigung und Zahlungseingangsbestätigung der Anlagebank. Die gesetzliche Einlagensicherung ersetzt kein Geld, das durch Betrug auf ein fremdes Konto gelangt ist. Auch eine deutsche IBAN ist kein Echtheitsmerkmal; entscheidend ist der Kontoinhaber des Empfängerkontos.

Welche Ansprüche kommen in Betracht?

Bei nicht autorisierten Zahlungen kann § 675u BGB einen Erstattungsanspruch gegen den Zahlungsdienstleister begründen. Bei selbst freigegebenen Überweisungen besteht kein automatischer Anspruch, nur weil man getäuscht wurde; eine allgemeine Pflicht der Bank, Anlageentscheidungen inhaltlich zu prüfen, gibt es nicht. Gegen die Täter kommen bei vorsätzlicher Täuschung § 823 Abs. 2 BGB i. V. m. § 263 Abs. 1 StGB, § 826 BGB oder § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB in Betracht. Die echte Raisin SE haftet nicht automatisch, nur weil ihr Name missbraucht wurde; dafür bräuchte es eigene Pflichtverletzungen oder andere nachweisbare Haftungsgründe.

Wie erkenne ich Folgebetrug?

Geschädigte werden teils erneut kontaktiert, etwa von angeblichen Rückholunternehmen oder Ermittlern, die behaupten, das Geld sei gefunden worden, und dafür Gebühren verlangen. Solche Aufforderungen sollten nicht ungeprüft erfüllt werden; ein übersandter Dienstausweis beweist keine Echtheit.

Häufige Fragen

Ist raisin-kundenservice.de mit der Raisin SE verbunden?
Nach dem Artikel nicht. Die Raisin SE ist unter kundenservice@raisin.com und 030 21784002 erreichbar; die Domain raisin-kundenservice.de gehört nicht zum echten Kundenservice.
Was soll ich nach einer Überweisung zuerst tun?
Keine weiteren Zahlungen leisten, die eigene Bank um einen Überweisungsrückruf bitten, die echte Raisin SE informieren und alle Belege und Nachrichten sichern.
Schützt die Einlagensicherung mein Geld?
Grundsätzlich nur anspruchsberechtigte Einlagen bei entsprechenden Kreditinstituten. Geld, das durch Betrug auf ein fremdes Konto gelangt ist, ersetzt sie nicht.
Erstattet mir die Bank den Schaden automatisch?
Nein. Bei nicht autorisierten Zahlungen kann § 675u BGB greifen. Bei selbst freigegebenen Überweisungen besteht allein wegen der Täuschung kein automatischer Anspruch.
Haftet die echte Raisin SE?
Nicht automatisch. Der bloße Namensmissbrauch begründet keine Haftung; es braucht eigene Pflichtverletzungen oder andere konkret nachweisbare Haftungsgründe.

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