EOS Investment Alliance: Interessenkonflikte nach MiCA

Veröffentlicht am 13.10.2026 –

Dr. Michael Wehrmann und Martin Wehrmann, WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht
Dr. Michael WehrmannRechtswissenschaftler Martin WehrmannRechtsanwalt
  • Art. 72 MiCA verpflichtet Kryptodienstleister zur Steuerung und Offenlegung von Interessenkonflikten
  • Auch Governance-Token, Beteiligungen und Verbindungen zu Dienstleistern können relevant sein
  • Konfliktaufzeichnungen sind fünf Jahre aufzubewahren, Offenlegung auf der Website in allen Vermarktungssprachen
  • Sie sollten die Unterstützung eines Rechtsanwalts erwägen, der regelmäßig derartige Fälle bearbeitet.
  • Ihre Vermögenswerte könnten sich in akuter Gefahr befinden, wenn Sie nicht schnell und entschlossen handeln.

Bei EOS Investment Alliance stellt sich neben Fragen zur Auszahlung auch die Frage nach möglichen Interessenkonflikten. Nach Art. 72 MiCA und der Delegierten Verordnung (EU) 2025/1142 müssen Kryptowerte-Dienstleister persönliche, wirtschaftliche und organisatorische Verbindungen erfassen, dokumentieren und auf ihrer Website offenlegen. Der Artikel zu EOS Investment Alliance ordnet ein, was das für die rechtliche Bewertung bedeuten kann.

Was verlangt Art. 72 MiCA von Kryptowerte-Dienstleistern?

Anbieter müssen wirksame Regeln zur Identifizierung, Vermeidung, Steuerung und Offenlegung von Interessenkonflikten einrichten. Erfasst werden Konflikte zwischen dem Anbieter und seinen Gesellschaftern, verbundenen Unternehmen, Mitgliedern des Leitungsorgans, Mitarbeitern oder Kunden. Auch Konflikte zwischen verschiedenen Kunden sind zu berücksichtigen. Die Delegierte Verordnung verlangt zudem, frühere persönliche, berufliche oder politische Beziehungen einzubeziehen, wenn sie innerhalb der vergangenen drei Jahre bestanden haben.

Können Governance-Token und Beteiligungen einen Konflikt auslösen?

Ja. Zu berücksichtigen ist, ob Leitungsorgan, Mitarbeiter oder bedeutende Anteilseigner Beteiligungen, Token oder andere Eigentumsrechte an Unternehmen halten, deren Interessen kollidieren könnten. Die Verordnung nennt ausdrücklich Governance-Token sowie Schuldtitel oder Finanzierungsvereinbarungen. Hält etwa eine Führungskraft von EOS Investment Alliance privat Governance-Token eines hervorgehobenen Projekts, folgt daraus allein noch kein Rechtsverstoß. Entscheidend ist, ob die Verbindung erkannt, intern behandelt und gegenüber Kunden angemessen offengelegt wurde.

Welche Rolle spielen Berater und Dienstleister?

Die Delegierte Verordnung nennt Kunden, Berater, Beauftragte, ausgelagerte Dienstleister, sonstige Serviceanbieter und Unterauftragnehmer. Relevant kann etwa ein Marketingpartner sein, der wirtschaftlich mit einem beworbenen Token-Projekt verbunden ist. Solche Verflechtungen sind nicht automatisch unzulässig, müssen aber strukturiert erfasst und angemessen behandelt werden.

Wie muss EOS Investment Alliance Konflikte offenlegen?

Art. 72 Abs. 2 MiCA verlangt die Offenlegung an gut sichtbarer Stelle auf der Website, so detailliert, dass Kunden eine informierte Entscheidung treffen können. Zu beschreiben sind betroffene Dienstleistungen, Art des Konflikts, Risiken und Gegenmaßnahmen. Eine bloße Offenlegung ersetzt echte organisatorische Maßnahmen nicht. Ein pauschaler Satz wie „Interessenkonflikte können nicht ausgeschlossen werden“ genügt bei bekannten, konkreten Konflikten möglicherweise nicht. Die Informationen müssen in allen Sprachen bereitgestellt werden, in denen der Anbieter in dem jeweiligen Mitgliedstaat vermarktet oder mit Kunden kommuniziert.

Wie lange müssen Konfliktaufzeichnungen aufbewahrt werden?

Anbieter müssen aktuelle Aufzeichnungen über tatsächliche und mögliche Interessenkonflikte führen, einschließlich der betroffenen Dienstleistungen und der ergriffenen Maßnahmen. Diese Unterlagen sind fünf Jahre aufzubewahren. Bei einer rückwirkenden Prüfung kann daher relevant sein, welche Aufzeichnungen zum Zeitpunkt einer Investition bestanden.

Welche Fragen sind bei EOS Investment Alliance zu prüfen?

Der Quelltext nennt als Prüffragen: Bietet die Plattform eigene Token an? Gehören Emittenten zur selben Unternehmensgruppe? Bestehen personelle Überschneidungen? Werden bestimmte Projekte auffällig bevorzugt? Gibt es Verbindungen zu Beratern, Marketinggesellschaften oder ausgelagerten Dienstleistern? Aufschlussreich kann dies sein, wenn der Anbieter nach außen völlige Unabhängigkeit vermittelt.

Häufige Fragen

Was regelt Art. 72 MiCA?
Er verpflichtet Kryptowerte-Dienstleister, Interessenkonflikte zu identifizieren, zu vermeiden, zu steuern und offenzulegen.
Ist ein Interessenkonflikt bei EOS Investment Alliance automatisch ein Rechtsverstoß?
Nein. Entscheidend ist, ob der Konflikt erkannt, intern behandelt und gegenüber Kunden angemessen offengelegt wurde.
Wie lange müssen Aufzeichnungen zu Interessenkonflikten aufbewahrt werden?
Nach der Delegierten Verordnung (EU) 2025/1142 fünf Jahre.
Wo müssen Interessenkonflikte offengelegt werden?
An gut sichtbarer Stelle auf der Website, detailliert genug für eine informierte Kundenentscheidung und in allen Sprachen, in denen der Anbieter vermarktet oder kommuniziert.

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