Prime Capital (primcapit.com): MiCA-Schwellen Art. 23

Veröffentlicht am 09.10.2026

Dr. Michael Wehrmann und Martin Wehrmann, WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht
Dr. Michael WehrmannRechtswissenschaftler Martin WehrmannRechtsanwalt
  • Art. 23 MiCA: Grenzen ab 1 Mio. Transaktionen und 200 Mio. € Tageswert, beide müssen überschritten sein
  • Beworbene Nutzungszahlen von Prime Capital (primcapit.com) sind kritisch auf ihre Bedeutung zu prüfen
  • Werbeaussagen und Support-Erklärungen sollten frühzeitig per Screenshot gesichert werden
  • Sie sollten die Unterstützung eines Rechtsanwalts erwägen, der regelmäßig derartige Fälle bearbeitet.
  • Ihre Vermögenswerte könnten sich in akuter Gefahr befinden, wenn Sie nicht schnell und entschlossen handeln.

Bei Prime Capital (primcapit.com) ist eine besonders hohe Verbreitung eines beworbenen Zahlungs-Tokens nicht automatisch ein Vorteil. Nach Art. 23 MiCA greifen für vermögenswertereferenzierte Token (ART) Beschränkungen, wenn sie in einem Währungsraum sehr intensiv als Tauschmittel genutzt werden. Beworbene Nutzungszahlen sollten Anleger deshalb daraufhin prüfen, was sie tatsächlich beschreiben.

Wann werden hohe Zahlungszahlen bei Prime Capital (primcapit.com) relevant?

Art. 23 MiCA betrifft ART, die innerhalb eines einheitlichen Währungsraums umfangreich als Tauschmittel genutzt werden. Maßgeblich sind zwei Werte, bezogen auf ein Quartal: Die geschätzte durchschnittliche Zahl der Transaktionen pro Tag muss eine Million und der durchschnittliche Gesamtwert 200 Millionen Euro überschreiten. Erst wenn beide Grenzen überschritten sind, greifen die besonderen Beschränkungen. Wirbt Prime Capital mit Zahlen oberhalb dieser Werte, können sie regulatorisch eine andere Bedeutung haben als bloße Werbung.

Zählt jedes Trading in diese Grenze?

Nein. Entscheidend ist die Verwendung als Tauschmittel. Der bloße Austausch eines ART gegen Geld oder andere Kryptowerte fließt grundsätzlich nicht automatisch in die Zahlungsstatistik ein. Eine Besonderheit besteht, wenn ein ART zur Abwicklung von Geschäften mit anderen Kryptowerten eingesetzt wird. Handelsvolumen und Zahlungsverkehr dürfen also nicht gleichgesetzt werden.

Was passiert, wenn die Schwellenwerte überschritten werden?

Der Emittent muss die weitere Ausgabe des Tokens einstellen und innerhalb von 40 Arbeitstagen einen Plan bei der zuständigen Behörde einreichen. Dieser soll die Nutzung wieder unter eine Million Transaktionen und 200 Millionen Euro Tageswert führen. Die Behörde muss den Plan genehmigen, kann Änderungen verlangen und eine Mindeststückelung vorschreiben. Eine erneute Ausgabe darf sie erst zulassen, wenn nachgewiesen ist, dass die Nutzung unter beiden Grenzwerten liegt.

Auf wessen Zahlen kommt es an?

Die Behörde kann Angaben des Emittenten, eigene Schätzungen oder Schätzungen der Europäischen Zentralbank bzw. der einschlägigen Zentralbank heranziehen; der jeweils höhere Wert wird zugrunde gelegt. Gibt derselbe ART mehrere Emittenten, werden deren Daten aggregiert. Eine Aufteilung auf mehrere Gesellschaften entzieht den Token also nicht ohne Weiteres der Prüfung.

Wann gilt ein Token als „signifikant“?

Ein ART kann als signifikant eingestuft werden, wenn mindestens drei gesetzliche Kriterien erfüllt sind, etwa mehr als zehn Millionen Inhaber, mehr als fünf Milliarden Euro Marktkapitalisierung oder Reserve sowie über 2,5 Millionen Transaktionen und 500 Millionen Euro Transaktionswert pro Tag. Hinzu kommen qualitative Kriterien wie internationale Bedeutung oder Verflechtung mit dem Finanzsystem.

Was sollten Anleger bei Prime Capital (primcapit.com) dokumentieren?

Hilfreich sind Screenshots früherer Werbeaussagen zu Nutzerzahlen, täglichem Zahlungsvolumen, Marktkapitalisierung und weltweiter Akzeptanz. Auch Erklärungen des Supports, etwa zu einer „technischen Pause“ der Token-Ausgabe, sollten festgehalten werden. Eine Ausgabe-Pause beweist keinen Betrug und kann legitime Gründe haben; unstimmige Erklärungen sollten aber dokumentiert werden.

Häufige Fragen

Welche Schwellenwerte nennt Art. 23 MiCA?
Über ein Quartal müssen durchschnittlich mehr als eine Million Transaktionen pro Tag und ein durchschnittlicher Gesamtwert von über 200 Millionen Euro erreicht werden. Beide Grenzen müssen überschritten sein.
Was muss der Emittent nach Überschreiten der Grenzen tun?
Er muss die weitere Ausgabe einstellen und innerhalb von 40 Arbeitstagen einen Plan zur Rückführung der Nutzung bei der zuständigen Behörde einreichen.
Zählt jeder Handel mit dem Token als Zahlungsverkehr?
Nein. Der bloße Tausch gegen Geld oder andere Kryptowerte fließt grundsätzlich nicht automatisch in die Zahlungsstatistik ein; entscheidend ist die Nutzung als Tauschmittel.
Beweist eine Pause der Token-Ausgabe bei Prime Capital (primcapit.com) einen Betrug?
Nein. Eine Pause kann viele legitime Gründe haben. Widersprüchliche Erklärungen sollten jedoch dokumentiert und geprüft werden.

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