Prime Capital (primcapit.com): Proof of Funds vor Auszahlung

Veröffentlicht am 05.10.2026

Dr. Michael Wehrmann und Martin Wehrmann, WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht
Dr. Michael WehrmannRechtswissenschaftler Martin WehrmannRechtsanwalt
  • Prime Capital (primcapit.com) verlangt laut Artikel vor Auszahlungen zusätzliches Geld als „Proof of Funds“.
  • Ein echter Herkunftsnachweis erfordert keine neue Überweisung; Rechtsgrundlage und Empfänger sind zu klären.
  • Betroffene sollten Forderungen, Begründungen, Zahlungsempfänger und Zahlungen lückenlos dokumentieren.
  • Bei Prime Capital könnte es sich um einen Betrug handeln.
  • Sie sollten die Unterstützung eines Rechtsanwalts erwägen, der regelmäßig derartige Fälle bearbeitet.
  • Ihre Vermögenswerte könnten sich in akuter Gefahr befinden, wenn Sie nicht schnell und entschlossen handeln.

Bei Prime Capital (primcapit.com, E-Mail-Adresse support@primcapit.com) verlangt der Broker nach den Schilderungen im Artikel vor einer Auszahlung einen „Proof of Funds“, einen Liquiditätsnachweis oder eine Kapitalverifizierung, für die der Anleger erneut echtes Geld überweisen soll. Ein legitimer Herkunftsnachweis ist etwas anderes als die Forderung, zusätzliches Kapital zu zahlen, damit vorhandenes Guthaben freigegeben wird.

Ist die Forderung nach einem „Proof of Funds“ bei Prime Capital (primcapit.com) üblich?

Im Finanzbereich können Nachweise über Vermögen oder die Herkunft von Geldern verlangt werden, etwa durch Kontoauszüge oder andere Dokumente. Problematisch wird es, wenn ein Anleger bei Prime Capital (primcapit.com) angeblich 95.000 Euro besitzt und vor der Auszahlung 15.000 Euro auf ein neues Konto überweisen soll. Wenn lediglich nachgewiesen werden muss, dass Vermögen vorhanden ist, müsste erklärt werden können, warum ein tatsächlicher Geldtransfer nötig sein soll.

Was hat es mit der angeblichen 10-Prozent-Regel und der AML-Sperre auf sich?

Als Beispiel nennt der Artikel die Behauptung, internationale Vorschriften verlangten einen Liquiditätsnachweis von zehn Prozent des Auszahlungsbetrags (bei 120.000 Euro also 12.000 Euro). Auch Begriffe wie AML, KYC oder Geldwäscheprüfung gehören zwar zum Finanzsektor, können aber missbraucht werden. Etwa wenn eine Auszahlung von 70.000 Euro wegen einer „AML-Sperre“ blockiert sein soll und 7.000 Euro auf ein Sicherheitskonto einzuzahlen wären. Zu klären ist, welche Rechtsgrundlage gelten soll, wer das Geld erhält und warum der Betrag nicht aus dem vorhandenen Guthaben entnommen wird.

Wie läuft die Kette immer neuer Forderungen ab?

Nach dem Liquiditätsnachweis folgen laut Beispiel weitere Posten: Versicherungsgebühr, Steuer, internationale Transfergebühr. Bei angezeigten 85.000 Euro würden 8.500 Euro (Liquiditätsnachweis), 4.200 Euro (Versicherung) und 2.750 Euro (Transferfreigabe) anfallen. Der Anleger hätte 15.450 Euro gezahlt, ohne eine Auszahlung zu erhalten. Entscheidend ist die Frage, ob das angezeigte Guthaben überhaupt real existiert oder nur eine intern erzeugte Zahl auf der Plattform ist.

Was ist von Treuhandkonten, Bankscreenshots und Freigabe-Zertifikaten zu halten?

  • Treuhandkonto: Der Begriff schafft keine rechtliche Sicherheit. Zu prüfen sind Kontoinhaber, Treuhandverhältnis und Rückzahlungsvoraussetzungen.
  • Bankscreenshot: Ein Screenshot des Onlinebankings kann IBAN, Kontostand und Zahlungsempfänger offenlegen. Dies wirft Datenschutz- und Sicherheitsfragen auf.
  • „AML Clearance Certificate“: Ein professionell gestaltetes PDF mit Stempel und Aktenzeichen belegt nichts. Zu prüfen ist, ob die ausstellende Institution existiert und unabhängig kontaktierbar ist.

Was sollten Betroffene dokumentieren?

Wichtig sind der Zeitpunkt der ersten Forderung eines Liquiditätsnachweises, die genannte Begründung, der Zahlungsempfänger und alle weiteren Forderungen danach. Zentrale Frage bleibt: Warum muss für eigenes Geld nochmals bezahlt werden, statt die Gebühr zu verrechnen?

Häufige Fragen

Ist ein Liquiditätsnachweis vor der Auszahlung normal?
Nachweise über Vermögen oder Mittelherkunft, etwa Kontoauszüge, können verlangt werden. Die Forderung nach einer zusätzlichen Überweisung zur Freigabe vorhandenen Guthabens ist davon zu unterscheiden und kritisch zu hinterfragen.
Warum kann das angezeigte Guthaben bei Prime Capital (primcapit.com) fraglich sein?
Zeigt die Plattform nur eine intern erzeugte Zahl an, existiert das Vermögen möglicherweise nur auf dem Bildschirm. Der Anleger würde dann reales Geld zahlen, um Zugang zu nicht vorhandenem Guthaben zu erhalten.
Welche Fragen sollte man bei einer geforderten Zusatzzahlung stellen?
Welche Rechtsgrundlage soll die Zahlung verlangen? Wer erhält das Geld? Warum wird der Betrag nicht mit dem vorhandenen Guthaben verrechnet? Wer führt ein angebliches Treuhandkonto?
Beweist ein „AML Clearance Certificate“ die Freigabe?
Nein. Ein PDF mit offiziellem Aussehen sollte nicht allein wegen seines Designs als echt gelten. Zu prüfen ist, ob die ausstellende Institution existiert und unabhängig erreichbar ist.

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