ATPT (Gemeinsam Werte schaffen): Betrugsverdacht prüfen

Veröffentlicht am 22.08.2026

Dr. Michael Wehrmann und Martin Wehrmann, WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht
Dr. Michael WehrmannRechtswissenschaftler Martin WehrmannRechtsanwalt
  • ATPT wirbt über WhatsApp-Gruppe 'Gemeinsam Werte schaffen' mit Fake-Namen
  • Gelder wurden vermutlich über Money Mules und Scheinfirmen verschleiert
  • Chronologische Dokumentation von Zahlungen und Wallets ist entscheidend
  • Bei ATPT (WhatsApp-Gruppe 'Gemeinsam Werte schaffen') könnte es sich um einen Betrug handeln.
  • Sie sollten die Unterstützung eines Rechtsanwalts erwägen, der regelmäßig derartige Fälle bearbeitet.
  • Ihre Vermögenswerte könnten sich in akuter Gefahr befinden, wenn Sie nicht schnell und entschlossen handeln.

Bei ATPT, vertrieben über die WhatsApp-Gruppe „Gemeinsam Werte schaffen“ unter den Namen „Dr. Klaus Kaldemorgen“ und Assistenz „Anna Keller“, bestehen erhebliche Anhaltspunkte für ein Fake-Trading-Modell mit anschließender Geldwäsche. Entscheidend für Geschädigte ist nicht nur die Frage der Seriosität der Plattform, sondern vor allem, wohin die eingezahlten Gelder nach der Überweisung weitergeleitet wurden.

Was ist ATPT und wie funktioniert das Modell?

ATPT wird über eine WhatsApp-Gruppe namens „Gemeinsam Werte schaffen“ beworben. Als Ansprechpartner treten „Dr. Klaus Kaldemorgen“ und eine angebliche Assistentin „Anna Keller“ auf. Nach dem typischen Muster von Fake-Trading-Modellen endet der Vorgang nicht mit der Einzahlung des Anlegers: Das Geld wird anschließend über Konten, Kryptowährungen, Scheinfirmen und weitere Zwischenstationen verschleiert.

Warum spielt Geldwäsche bei ATPT eine Rolle?

Europol bezeichnet Geldwäsche als zentralen Bestandteil organisierter Cyberkriminalität. In einem 2025 aufgedeckten Verfahren gegen Krypto-Anlagebetrug wurden mehr als 5.000 Geschädigte identifiziert; das Netzwerk soll rund 460 Millionen Euro an illegalen Erlösen gewaschen haben. Bei ATPT kann es deshalb entscheidend sein, nicht nur die erste Zahlung, sondern den gesamten bekannten Zahlungsweg zu untersuchen.

Was sind Money Mules und welche Rolle spielen sie?

Money Mules – auf Deutsch Finanzagenten – sind Personen, deren Konten genutzt werden, um Gelder Dritter entgegenzunehmen und weiterzuleiten. Laut Europol standen mehr als 90 Prozent der in europäischen Money-Mule-Aktionen identifizierten Transaktionen mit Cyberkriminalität in Verbindung. Für mögliche Geschädigte von ATPT bedeutet das: Der Name auf dem Empfängerkonto muss nicht der Name eines Haupttäters sein. Konto- und Zahlungsdaten können dennoch wichtige Ermittlungsansätze liefern.

Warum reicht ein Firmenkonto als Sicherheit nicht aus?

Auch echte Unternehmen auf der Überweisung schaffen keine Sicherheit. Europol stellte in früheren Ermittlungen zu betrügerischen Trading-Plattformen fest, dass Gelder über Bankkonten von Scheinfirmen in verschiedenen EU-Staaten gewaschen wurden – in einem Netzwerk entstanden europaweit rund 30 Millionen Euro Schaden, davon mindestens sieben Millionen Euro in Deutschland. Geschädigte von ATPT sollten daher prüfen, ob der Zahlungsempfänger zum angeblichen Betreiber passte und ob Empfängerkonten zwischen einzelnen Zahlungen wechselten.

Was verrät eine wechselnde Kontostruktur?

Mehrere unterschiedliche Zahlungsempfänger können wie normale internationale Zahlungsabwicklung wirken, bei Betrugsverdacht aber das Gegenteil bedeuten. Wenn beispielsweise eine erste Zahlung an eine Gesellschaft in einem Land, eine weitere an ein Konto in einem anderen Land und eine dritte in Kryptowährung an eine Wallet geht, wirft dies andere Fragen auf als eine gewöhnliche Kundenbeziehung zu einem regulierten Broker. Jede Zahlung sollte chronologisch erfasst werden.

Welche Rolle spielen Kryptowährungen bei ATPT?

Kryptozahlungen wirken für Geschädigte oft endgültig, da Coins nach der Übertragung schnell über weitere Wallets bewegt werden können. Europol weist jedoch darauf hin, dass auf Blockchains Transaktionsdaten entstehen, die Verbindungen zwischen Wallets sichtbar machen können. Wer für ATPT Bitcoin, Ethereum, USDT oder andere Kryptowährungen gekauft hat, sollte die ursprünglichen Wallet-Adressen und Transaktions-Hashes aufbewahren.

Wie sind aktuelle Tätergruppen organisiert?

Europol beschreibt in seinem Bericht zu den gefährlichsten kriminellen Netzwerken in der EU eine zunehmende Nutzung von Kryptowährungen, digitalen Plattformen, verschlüsselter Kommunikation und legalen Geschäftsstrukturen zur Verschleierung krimineller Aktivitäten, teils unter Einsatz von KI zur Skalierung. Die Person am Telefon oder in der WhatsApp-Gruppe ist dabei möglicherweise nur für die Kommunikation zuständig, während andere Personen Technik, Zahlungsverkehr oder Geldwäsche organisieren.

Was sollten Betroffene von ATPT jetzt tun?

Geschädigte sollten sämtliche Zahlungsnachweise, Kontoverbindungen, Wallet-Adressen und Transaktions-Hashes sichern und den gesamten Zahlungsweg chronologisch dokumentieren. Im April 2026 meldete Europol zudem die Zerschlagung professionell organisierter Callcenter mit mindestens 50 Millionen Euro Schaden, bei denen Gelder nicht investiert, sondern in ein internationales Geldwäschesystem geleitet wurden – ein Muster, das strukturell dem bei ATPT vermuteten Vorgehen ähnelt.

Häufige Fragen

Ist ATPT eine seriöse Handelsplattform?
Nach den beschriebenen Anhaltspunkten spricht vieles für ein Fake-Trading-Modell mit anschließender Geldwäsche, nicht für eine reguläre, regulierte Handelsplattform.
Warum ist der Name auf dem Empfängerkonto wichtig?
Empfängerkonten können Money Mules gehören, deren Namen nicht mit den Haupttätern übereinstimmen. Die Konto- und Zahlungsdaten liefern dennoch Ermittlungsansätze.
Was passiert mit Geld, das in Kryptowährung an ATPT gezahlt wurde?
Kryptozahlungen werden häufig zügig über weitere Wallets weitergeleitet, hinterlassen aber Transaktionsdaten auf der Blockchain, die Verbindungen zwischen Wallets sichtbar machen können.
Welche Unterlagen sollten Geschädigte aufbewahren?
Zahlungsnachweise, Kontoverbindungen der Empfänger, Wallet-Adressen und Transaktions-Hashes sowie eine chronologische Übersicht aller Zahlungen.
Warum reicht ein bekanntes Unternehmen als Zahlungsempfänger nicht als Sicherheit?
Auch echte Firmenkonten wurden in früheren Ermittlungen als Scheinfirmen zur Geldwäsche genutzt, ohne dass dies für Anleger erkennbar war.

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